Zunftgeschichte PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Supervisor   
Gründungsmitglied der Vereinigung Schwäbisch- Alemannischen Narrenzünfte

 

Haslacher_fasent_transpFastnacht in Haslach im Kinzigtal


"Haslach ist ein Narrenstädtchen ersten Ranges", so auf jeden Fall bezeichnet der in Haslach geborene Heinrich Hansjakob (1837 - 1916) und spätere Pfarrer und Volksschriftsteller seine Vaterstadt in seinem Werk "Feierabend" und er wußte wohl, von was er da sprach. Haslach im Kinzigtal, das alte Marktstädtchen, gehört zweifelsohne zu den verbrieften Narrenstädten im Schwarzwald, denn schon seit Jahrhunderten muß die Fasent zum Jahreslauf der Haslacher gehört haben. Wie alt diese Tradition allerdings genau ist, das läßt sich aufgrund fehlender Dokumente nicht sagen, doch weiß man, daß bereits im 16. Jahrhundert die Fastnacht durch
die Kinzigtäler Landordnung des Grafen Wilhelm von Fürstenberg als eine "heidnische Onsinnigkeit abgestellt und verboten" worden war. Dieses Verbot wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts durch Graf Christoph von Fürstenberg erneut bestätigt.
Die Haslacher aber müssen sich wie die anderen Fürstenbergischen Untertanen in Hausach oder Wolfach nur wenig um dieses Verbot gekümmert haben und so konnte die Fastnacht nie gänzlich unterbunden werden.

Mit dem 19. Jahrhundert aber wurde Haslach wieder mit Macht vom närrischen Geist erfaßt und das Städtchen wurde, darf man Heinrich Hansjakob glauben, "zu einem Klein-Venedig des Karnevals". Bereits aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind die Aufführungen großer, meist historischer Fastnachtsspiele bezeugt und im Jahre 1860 kommt es im Gasthaus "Zur Kanone" zur Gründung der Narrhalla Haslach ", der Vorgängerin der heutigen Narrenzunft.


Kanone_transparent Altkanonenwirt Rudolf Thoma war es, der diese Gründung vollzogen hatte und von nun an sollte die Fasent im Städtchen im Wesentlichen von den Thomas bestimmt werden. Im Jahre 1876 führen die Haslacher das historische Stück "Die Weibertreu von Weinsberg" auf und dieses Spiel, das für viel Heiterkeit gesorgt haben muß, wurde zur Geburtsstunde der ältesten Haslacher Narrengestalt, des Ranzengardisten. Große Fastnachtsspiele und Maskenzüge bestimmten fortan die Fasent im Geburtsstädtchen Heinrich Hansjakobs und er war es dann auch, welcher in seinem Werk "Aus meiner Jugendzeit" davon berichtete, das in Haslach zur Fasent "alle Menschen Narren und Kinder würden hüpfen und springen, als wären sie im Kinderhimmel der Jugendzeit". "Die Zerstörung Heidelbergs durch Melac", "Hermann der Cherusker oder die Schlacht im Teutoburger Wald", "Die Herren von Hohengeroldseck und Lützelhard" oder der "Trompeter von Säckingen", alles Spiele, die von den Haslachern in meist großer Spielfreude aufgeführt worden waren und diese Tradition wurde bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts fortgesetzt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts müssen aber neben der Ranzengarde auch schon Hanselefiguren zur Haslacher Fasent gehört haben, denn Heinrich Hansjakob berichtet in seinem Werk "Bauernblut" davon, "es seien Hansele durch alle Straßen des Städtchens gesprungen".
Im Jahre 1926 findet sich in einer Ausgabe der Zeitschrift "Mein Heimatland" in einem Aufsatz des Haslacher Heimatforschers Dr. Johann Karl Kempf der genaue Hinweis auf die Existenz von Einzelfiguren; so erwähnt er den Gullerreiter, den Storch, das Riesenköpfige Ehepaar und einen großen Elefanten. Figuren übrigens, die seit den 70 er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder zum Bild der Haslacher Fasent gehören.
Bereits zwei Jahre vor dieser Erwähnung ist die Haslacher Narrenzunft bei der Gründung der Vereinigung Schwäbisch- Alemannischer Narrenzünfte in Villingen dabei und gehört somit zum erlauchten Kreis der Gründerzünfte.
Zum Bild der Haslacher Fasent, die im wesentlichen von Straßen- und Lokalfastnacht geprägt wird, gehören aber auch zwei reine Narrenfiguren, der Haselnarro und der Schellenhansel, gerade letzterer soll auf den einst durch Heinrich Hansjakob erwähnten Hansel zurückgehen. Beide Hanselfiguren wurden im 20. Jahrhundert geschaffen, stets im Einvernehmen mit der Vereinigung Schwäbisch- Alemannischer Narrenzünfte, welcher die Zunft seit 1924 angehört.
Weitere Figuren in der Haslacher Fasent sind der Narrenbüttel, die Klepperlesgarde, die Närrische Miliz, die Marketenderinnen und die Narrenbolezei.


Voelkerschau_transparentDie Fasent in Haslach, hier nicht Fasnet genannt, kennt noch heute alte Fasentbräuche wie das "Schnurren", das dem fasnächtlichen Rügerecht entstammt oder das Kleppern", ein Spiel auf zwei Holzstücken. Der Hemdklunkerumzug in der Frühe des Schmutzigen Donnerstag und die Elfimessen am Montag und Dienstag sind weitere überlieferte Fasnachtsbräuche. Beginnt Wochen vor Fastnacht die närrische Zeit mit der Narrotaufe, so endet sie am Dienstagabend mit der Verbrennung des Narren. Die Fastnacht im Geburtsstädtchen Heinrich Hansjakobs wird vom Narrenrat, welchem der Zunftmeister vorsteht, alljährlich geplant und zur Durchführung gebracht.
Eine Renaissance der einstigen Fastnachtsspiele gab es im Jahre 1995, nach über 60 jähriger Pause, wagten doch die Haslacher da an zwei Sonntagen zur Fastnacht die Aufführung der "Internationalen Völkerschau", eines Spieles, an welchem rund 1200 Mitwirkende beteiligt waren. Im Jahre 2001 wagten sie ein weiteres Spiel, die "Weibertreu von Weinsberg", ein historisches Spektakulum. Da bestätigte sich abermals Hansjakobs Feststellung: "Das Städtle sei ein Klein-Venedig des Karnevals".