Freitag, Februar 23, 2018

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Höchst seltsame Gestalten kann man zur Fasnachtszeit in Haslach begegnen; zu nennen wären da der "Gullerreiter“, der "Storch" und das "Riesenköpfige Ehepaar", allesamt Einzelfiguren in der alten Haslacher Fasent.

Die wohl älteste dieser Einzelfiguren dürfte der „Gullerreiter“ sein, heute wie schon früher, der Liebling des närrischen Volkes. Nur zwei Narrenstädte im Kinzigtal kennen den „Gullerreiter“, nämlich Wolfach und Haslach, schon einen größeren Bekanntheitsgrad hat der „Schirrmaiers Guller“ zu Rottweil am Neckar. Eine erste schriftliche Erwähnung stammt auch im Falle des „Haslacher Gullerreiters“  von Dr. Johann Karl Kempf, dem ausgezeichneten Kenner Haslacher Fasnachtsbräuche. In dem erwähnten Aufsatz in der „Bad.Heimat“ aus dem Jahre 1926 schildert Kempf diese seltsamen Fasentsgestalten wie folgt: „Unter Vorantritt eines Gullerreiters, eines Riesenköpfigen Ehepaares, eines Storchen und Elefanten, lauter höchst urwüchsigen Gebilde, wird dann mit Trommelschlag, Musik, Kläppern und unter Gesang des alten heimischen Narrenspruches durch die Straßen gezogen – Hoorig, hoorig isch die Katz… 

Der in Kempf Aufsatz erwähnte "Elefant" wurde 2008 wieder ins Leben gerufen. Der "Büttel" darf natürlich im Gesamtbild der Haslacher Fasent nicht fehlen. 

Ein Gullerreiter aus wahrer Leidenschaft war der Haslacher Schuhmacher Hubert Thoma; eine Besonderheit bei seinen Auftritten war das naturgetreue Krähen. Mit Ende von Thomas Amtszeit aber verlor die Haslacher Fasent auch ihren „Gullerreiter“, der Guller selbst wanderte in die Requisitenkammer der Narrenzunft und erst 1975 stieß man bei einer Säuberungsaktion auf die Überreste des Gullers. Der Wunsch wurde immer stärker, den „Gullerreiter“ wieder auftreten zu lassen. In 180 Arbeitsstunden wurde der Haslacher „Guller“ geschaffen und seit 1977 hatten die Haslacher ihren so geliebten „Gullerreiter“ wieder. Der Reiter trägt Frack und Zylinder im Biedermeierstil.

Eine alte Tradition hat auch der Storch als Einzelfigur in der Haslacher Fasent. Bei ihm kann man mit Sicherheit auch eine Verbindung zum Strochentag, Peterlestag annehmen, fällt doch dieser am 22. Februar oft mitten in die Fasnachtszeit.  Es heißt: Auf Sankt Peter Fest baut der Storch sein Nest. Ihren „Storch“ haben die Haslacher wieder seit dem Jahre 1980.

Zu den wenigen alten Haslacher Fasentfiguren gehört auch das „Riesenköpfige Ehepaar“. Es ist seit dem Jahre 1984 wieder mit zu einem „Kernstück“ der Haslacher Fasent geworden. Auch diese Figur war gänzlich verschwunden und nur in mündlichen Überlieferungen älterer Haslacher erinnerte man sich gern dieses seltsamen Paares. Ja, in früheren Zeiten, da folgten Haslachs Kinder in größerem Abstand den beiden „Großkopfeten“ durch Straßen und Gassen des alten Städtchens. So vornehm wie die „Riesendame“ von Wolfach aber ist das „Riesenköpfige Ehepaar“ in Haslach nicht gekleidet. Hier hat man sich der Bedeutung als ländliches Marktstädtchen erinnert und gleichzeitig einer Feststellung von Heinrich Hansjakob in Bezug auf Kleidung Rechnung getragen: „Hasle het Burswiiber un Wolfe het Stadtwiiber“. So kann man jetzt wieder alljährlich zur Fasnachtszeit die „höchst urwüchsigen Gebilde“ durch Haslachs Straßen und Gassen ziehen sehen.

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